Gewichtsweste

20.03.2025 - 6 min

Meine Verspannungen sind in den letzten Monaten immer schlimmer geworden und ich wusste mir nicht mehr zu helfen. Ich war deswegen sogar beim Arzt, was ich sehr selten tue, weil ich nicht weiterwusste.

Es ist mir sehr auf die Stimmung geschlagen und ich bin immer öfter im Panikmodus gewesen. Ich wollte einfach nur, dass es aufhört und habe in der Verzweiflung "um mich geschlagen".

Ich habe mich gefühlt wie ein Tier, dass in die Ecke gedrängt wurde. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte.

Nachdem es eine Nacht besonders schlimm war, habe ich festgestellt, dass ich schräg stehe. Es ist besonders ausgeprägt, wenn ich auf der Seite liege. Meine linke Seite wird gequetscht.

Ich habe dann ein Kissen unter meine Hüfte gelegt, um das auszugleichen. Es hat sich direkt angefühlt, als wäre eine Verbindung wieder hergestellt. Als hätte jemand den Fuß vom Wasserschlauch genommen.

Ich hatte das Gefühl, dass meine Lebensenergie wieder durch mich fließen kann.

Kurze Zeit später hat sich der Druck aufgelöst. Der Druck, der mich seit Jahren fast konstant begleitet hat. Der mich immer wieder zur völligen Erschöpfung getrieben hat.

Alles musste immer so schnell und effizient wie möglich sein. Bloß keine Zeit verschwenden.

Ich bin immer noch ein Fan von der Optimierung, gerade fühlt es sich aber anders an.

Ich möchte es jetzt tun und muss es nicht. Das Gefühl des Zwangs ist nicht mehr da.

Die Ängste und Unsicherheiten sind auch verschwunden. Der Stress und die Hektik haben sich aufgelöst.

Ich bin aus dem Panikmodus entkommen, in dem ich mich die letzten Jahre befunden habe. Ich konnte alles etwas lockerer sehen und es ging nicht mehr nur ums "Überleben".

Ich habe mich die letzten Jahre immer wieder gefragt, was mit mir nicht stimmt. Egal, was ich gemacht habe, es hat nie gereicht.

Ich bin so schnell gerannt, wie ich konnte, bin aber nicht von der Stelle gekommen.

Ich habe Vollgas gegeben, die Handbremse war aber angezogen.

Egal wie sehr ich mich angestrengt habe, es war nie genug.

Ich habe mich immer verzweifelter gefühlt, weil ich nicht mehr weiterwusste. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, warum es für mich so schwer ist, glücklich zu sein.

Was mache ich falsch? Warum sieht es bei den anderen so einfach aus?

Ich investiere so viel und mache alles, was geht, trotzdem komme ich dem Ziel nicht näher. Ich weiß nicht mal, was das Ziel überhaupt ist. Ich kenne nur das Rennen. Immer höher, schneller, weiter.

Ich kann nicht stehenbleiben, weil ich das Gefühl hatte dann zu verlieren und nicht mehr in die Gänge zu kommen.

In dem Moment ist aber all der Ballast von mir abgefallen.

Ich habe mich leichter gefühlt. Ich konnte es zuerst gar nicht wirklich zuordnen.

Es hat sich ein Gefühl der Lockerheit und der Ruhe eingestellt. Eine unendliche Befreiung.

Ich hatte plötzlich Spielraum. Der Zwang und die Kontrolle sind von mir abgefallen. Ich wollte Dinge machen.

Leider hat das nicht lange angehalten. Ich hatte aber das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein. Ich habe meine Hüfte intensiver gedehnt und auch meine Seite. Ich habe neue Kräftigungsübungen ausprobiert.

Alles hat etwas geholfen, ich konnte aber die Ursache nicht ausmachen.

Vor ein paar Tagen habe ich dann meine Übungen für die Hüfte gemacht. Als ich auf der Seite gelegen und mein Bein nach hinten gestreckt habe, habe ich gemerkt, dass meine Hüfte in dem Moment gekippt ist. Nach einigem Herumprobieren habe ich den linken Hüftbeuger als Ursache ausgemacht.

Daraufhin habe ich ihn sehr intensiv gedehnt. Das hat das erhoffte Resultat gebracht.

Ich möchte den Tag noch nicht vor dem Abend loben, aber der Zusammenhang war ziemlich deutlich. Ich habe sofort eine Veränderung in meiner Stimmung gespürt.

Die Welt sah wieder anders aus und ich habe mich nicht mehr so eingeschränkt gefühlt.

Der Druck ist verschwunden ich hatte Raum zum Durchatmen.

Ich hatte Ideen und es ist mir viel leichter gefallen auf Menschen zuzugehen. Ich habe mich nicht mehr so gehetzt gefühlt.

Ich konnte wieder Gespräche führen, ohne den Druck etwas Produktives machen zu müssen.

Ich lege nicht mehr alles auf die Goldwaage und kann flexibler sein.

Es ist so ein unglaublich angenehmes Gefühl nicht immer getrieben zu sein.

Das Dehnen behebt aber nicht die Ursache, sondern lindert die Symptome.

Die Verspannungen scheinen durch den Druck zu kommen. Durch das Dehnen kann ich meinem Körper scheinbar signalisieren, dass alles ok ist.

Es entsteht aber wieder neuer Druck und dadurch auch die Verspannungen.

Es fühlt sich aber gut an etwas dagegen tun zu können und endlich zur Ruhe kommen zu können, auch wenn es nur für eine gewisse Zeit ist.

Ich habe so die Möglichkeit mich zu erholen und durchzuatmen. Eine Pause von der Hektik.

Ich bin sehr froh ein Mittel gefunden zu haben, dass funktioniert. Die Hilflosigkeit und die Verzweiflung waren das Schlimmste an der Sache.

Ich wusste nicht, was mit mir los ist und ich habe keinen Ausweg gesehen.

Es gab immer mal wieder gute Phasen, das war aber eher Glück und ich wusste nicht, was es ausgelöst hat.

Ich bemerke durch den Kontrast eher, wann ich mir Druck mache und kann, gegensteuern.

Ich möchte die Zeit aber nicht verteufeln und mich darüber beschweren, dass ich nicht eher eine scheinbar so offensichtliche Lösung gefunden habe.

Schließlich habe ich schon mein Leben lang Schwierigkeiten mit der Hüfte. Es hat mich allerdings nie wirklich beeinträchtigt, außer, dass ich etwas merkwürdig gelaufen bin.

Ich möchte es stattdessen als Training sehen. Ich habe unglaublich viel über mich gelernt. Ich habe mich sehr intensiv mit der Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und kenne mich sehr gut mit den Grundlagen (Ernährung, Bewegung, Schlaf, Atmung, Aufmerksamkeit) aus.

Ich habe auch ein sehr solides Fundament gelegt, auf dem ich eine Struktur aufgebaut habe, die mich am Laufen gehalten hat.

Ich habe mit Gewichtsweste trainiert, um darauf vorbereitet zu sein, was auch immer vor mir liegt.

Ich habe jetzt scheinbar einen Weg gefunden sie abzulegen und kann mein Wissen und meine Erfahrung nutzen.

Ich glaube noch nicht, dass ich die Herausforderung überwunden habe. Ich habe noch einiges zu tun, aber ich habe jetzt einen Weg und das gibt mir Hoffnung.

Was ist dein Traum? Wie kann ich helfen?