Gute schlechte Tage

13.03.2025 - 5 min

Golfer gehen davon aus, dass sie bei jedem Turnier ein paar schlechte Schläge haben werden. Niemand erwartet fehlerlos durch ein Wochenende zu kommen. Wenn es dann so weit ist, ist es keine Überraschung und sie müssen sich nicht darüber aufregen. Es ist einer von den Erwarteten.

Manchmal läuft es nicht rund und wir haben mehr schlechte Schläge als sonst. Nichts scheint zu funktionieren und wir werden aus der Bahn geworfen. An diesen Tagen ist es wichtig gut schlecht zu spielen. Zu akzeptieren, dass heute einer dieser Tage ist.

Ich habe mich diese Woche deutlich besser gefühlt. Es hat sich eine Lockerheit eingestellt und es ist mir leichter gefallen Entscheidungen zu treffen.

Dadurch bin ich vorangekommen und hatte wieder sehr viele Ideen. Ich habe mich motiviert gefühlt und immer mehr gemacht. Das hat mir immer mehr Energie verliehen.

Dadurch sind aber auch immer mehr Informationen und Feedback auf mich eingeprasselt. Ich habe die Erholung vernachlässigt, weil ich mich so motiviert gefühlt habe.

Durch die vielen Ideen habe ich schlechter und weniger geschlafen.

Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht, weil ich so viele Ideen hatte. Ich habe zuerst alles aufgeschrieben und versucht wieder einzuschlafen. Das hat aber nicht funktioniert. Ich wollte sie unbedingt umsetzen.

Das habe ich dann auch gemacht und ich habe mich wirklich gut gefühlt.

Danach war der Tank aber einfach leer.

Dann war es aber Zeit für das Training.

Hier war immer der Punkt, an dem ich es völlig übertrieben habe und mein Körper dann den Stecker gezogen hat.

Es kommt alles zusammen. Es war der letzte Tag der Diät, ich habe nur ein paar Stunden geschlafen, die Verspannungen sind wieder deutlich schlimmer geworden und das Training gibt mir den Rest.

Ich verfalle in einen Panikmodus und kann nicht aufhören etwas zu tun. Mir fallen immer noch neue Dinge ein, die ich unbedingt jetzt tun muss. Ich darf auf keinen Fall aufhören etwas zu tun.

Für diese Tage habe ich meine Routine. Sie ist dann besonders wichtig, um nicht abzurutschen. Es sind aber auch die Tage an denen es am schwersten ist mich daran zu halten.

Es wäre so einfach alles über Bord zu werfen und all die Dinge zu tun, die ich nicht tun möchte.

Mittlerweile erkenne ich diese Muster aber immer besser.

Ich habe zwar trainiert, aber sehr locker. Ich habe mein Ziel erreicht und mein Bestes gegeben, auch wenn es nicht sehr beeindruckend war.

Es ist ok etwas schlecht zu machen, es ist nicht ok etwas ausfallen zu lassen.

Anstatt mich danach zu zwingen etwas Produktives zu tun, habe ich mich nochmal hingelegt. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Paradoxerweise war die Erholung, das Produktivste, was ich in diesem Moment machen konnte.

Ich habe mich danach zu meinen Eltern an den Frühstückstisch gesetzt und mich dann nochmal hingelegt.

Ich habe die ganze Zeit im Hinterkopf das Verlangen gespürt mich abzulenken, etwas zu essen oder etwas zu kaufen. Ich wollte etwas, dass die Müdigkeit und die Erschöpfung verdrängt, und zwar jetzt.

Ich wollte mich durch externe Dinge kurzfristig besser fühlen, obwohl die einzige Lösung die Erholung ist.

Das zu akzeptieren fällt mir noch sehr schwer. Scheinbar habe ich verinnerlicht, dass ich keine Erholung brauche. Das ich immer weitermachen kann. Das ich mit allem fertig werde, ohne ins Schwitzen zu kommen.

Das führt zu einer Abwärtsspirale. Ich zwinge mich dazu immer weiterzumachen, wie vorher, habe aber immer weniger Energie. Jeder Tag wird schwieriger und das Verlangen nach Ablenkung und Entscheidungen, die ich nicht treffen möchte, werden größer.

Ich werde immer anfälliger für die Verführungen. Ihnen zu widerstehen, kostet zusätzliche Kraft.

Ich werde aber immer besser das zu erkennen und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich habe es als Herausforderung gesehen. Ich habe mir gesagt, dass das der Endgegner der Diät ist. Der letzte schwere Test vor dem Durchbruch.

Ich habe akzeptiert, dass ich heute keine Berge versetzten werde und dass das ok ist. Meine Aufgabe war durch den Tag zu kommen, ohne auf die Stimmen in meinem Kopf zu hören bzw. auf ihre Forderungen zu reagieren.

Das ist mir gelungen und ich habe mich am nächsten Tag wieder deutlich erholter gefühlt.

Das Leben besteht auf Rhythmen. Gute und schlechte Tag folgen aufeinander. Es gibt produktive und weniger produktive Phasen, wie die Jahreszeiten. Es gibt eine Zeit für die Erholung und eine für Aktivität.

Ich möchte immer nur die guten erleben und sehe alles andere als Problem. Dabei gehören sie zum Menschsein dazu. Das ganze Spektrum der Gefühle und Erlebnisse. Die positiven aber auch die negativen.

Das eine führt zum anderen. Ohne Licht keinen Schatten.

Es ist ein Tanz und jede Situation hat etwas für sich. Es kommt nur darauf an, wie wir damit umgehen.

Wenn wir es akzeptieren, wird es deutlich leichter. Es liegt nicht an uns, sondern ist die menschliche Erfahrung und gehört einfach dazu, auch wenn wir es nicht wollen.

Wir können es nicht ändern und dagegen anzukämpfen ist kontraproduktiv. Mit den Wellen zu treiben ist deutlich leichter als uns dagegen zu wehren.

Jeder Moment ist genauso, wie er sein sollte. Schmerzen gehören zum Leben dazu. Wir machen es mit unseren Erwartungen aber deutlich schwieriger und leiden so mehr als nötig.

Den Kampf gegen die Realität aufzugeben ist eine Befreiung.

Was ist dein Traum? Wie kann ich helfen?