Verbunden
Ich habe an einem renaturierten Fluss gesessen. Es wurden Steine in den Flusslauf gesetzt, damit das Wasser nicht nur gerade fließen kann. Durch diese Bewegung wird das Wasser unter anderem gereinigt.
Ich sitze dort sehr gerne und jeder der dort vorbeifährt hält kurz inne, um die Schönheit zu genießen. Die Zeit leibt dort für einen Moment stehen.
Ich frage mich wieso wir etwas als schön empfinden.
Als ich mir das Rauschen des Flusses angeguckt habe, ist mir der Gedanke gekommen, dass wir etwas als schön empfinden, wenn es funktioniert und möglichst nah am natürlichen Zustand ist.
Dass es etwas in uns anspricht. Dass es auf eine Weise richtig ist. Es zeigt uns, was funktioniert.
Mir gefallen Dinge, die durchdacht sind. Die rund sind. Sie sind harmonisch und mit sich selbst im Einklang.
Wie in der Musik. Wir können nicht willkürlich Noten nacheinander spielen. Es gibt bestimmte Muster, die zusammenpassen. Wir hören es sofort, wenn eine Note nicht dazu passt.
Der Gedanke, dass wir alle auf irgendeine Art miteinander verbunden sind, lässt mich nicht los.
Leben ermöglicht immer höhere Formen des Lebens. Vom Brachland, über Gras, zu Sträuchern zum Wald.
Was uns als Menschen einzigartig macht ist, dass wir diese Entwicklung gezielt beeinflussen können. Wir können System schaffen, um die Evolution zu beschleunigen und gezielt in eine Richtung lenken.
Wir züchten Pflanzen und Tiere. Wir gestalten unsere Landschaft im großen Stil. Wir verändern den Verlauf von Flüssen und roden Wälder. Wir bauen Städte, Straßen und Schienen.
Wir haben die Kultur und die Technologie, um das zu erreichen.
Im Universum gibt es immer wieder ähnliche Muster. Ausdehnung und Zusammenziehen, Aufbau und Verfall, Teilen und Vereinigen.
Alles ist für sich etwas abgeschlossenes, aber auch gleichzeitig Teil von etwas Größerem. Atome, Moleküle, Proteine, Organe, Lebewesen, Gruppen, und so weiter. Alles baut aufeinander auf. Nur wenn alles seine Funktion erfüllt, funktioniert das ganze System.
Es gibt zwar sehr viele Redundanzen und Sicherheitsnetze, jede Funktion wird von vielen Teilen erfüllt, Nischen werden gefüllt, aber irgendwann bricht es zusammen.
Es sind selbstregulierende Systeme in natürlichen Kreisläufen. Das System strebt immer wieder zum Optimum zurück. Etwas Ausgeglichenem. Nicht zu viel und nicht zu wenig.
Es gibt eine Balance. Ein Yin und ein Yang. Eine Harmonie.
Der Mensch passt da für mich nicht so richtig hinein. Wie ein Fuß in der Tür. Ein Nagel, der herausguckt. Wie ein Staudamm für den Fluss des Lebens.
Wir machen unser eigenes Ding. Abseits von allem anderen.
Wir halten uns für die Spitze der Evolution. Das Ende. Die Krone der Schöpfung.
Wir entfernen uns immer weiter von der Natur und verlieren immer mehr den Kontakt.
Wir zahlen aber auch einen hohen Preis dafür.
Wir verlieren das Gefühl für uns und unseren Körper. Wir haben mit Zivilisationskrankheiten zu kämpfen und Probleme mit unserer geistigen Gesundheit.
Unsere Lösungen sind nicht ganzheitlich. Wenn wir in einem Bereich Fortschritte machen, geht es meistens auf Kosten von anderen. Wir haben den Blick für das große Ganze verloren.
Die eine Hälfte der Welt ist zu fett und die andere hat zu wenig zu essen.
Wir müssen uns zwischen Ökonomie und Ökologie entscheiden. Es ist immer ein entweder/oder.
Wir sind in unseren Blasen und es fällt uns schwer andere Perspektiven einzubeziehen.
Wir sind dabei unseren Planten und damit unsere Lebensgrundlage zu zerstören.
Es gibt so viele Menschen, wie noch nie und unsere Städte werden immer größer, trotzdem fühlen sich immer mehr von uns einsam.
Wir haben ein System geschaffen, dass immer mehr benötigt. Wachstum ist Pflicht. Alles wird immer teurer. Wir wollen aber auch immer mehr. Dadurch müssen wir immer mehr Geld verdienen, was alles noch teurer macht, weil die gestiegenen Kosten die Preise weiter erhöhen.
Was wäre, wenn wir, wie alle anderen, nur eine Stufe auf dem Weg zu immer komplexeren Lebensformen sind.
Wenn wir wieder zurück zu einem natürlicheren Lebensstil kommen, indem wir unsere Technologie und Fähigkeiten dafür einsetzen, das System als Ganzes zu stärken.
Wenn wir unsere Rolle einnehmen und die Evolution vorantreiben.
Wir können uns das Ziel setzen die Lebensqualität von immer mehr Menschen zu erhöhen.
Je mehr wir sind, umso mehr können wir erreichen. Das geht aber nur, wenn wir uns nicht mehr über unser Überleben sorgen müssen.
Als ich darüber nachgedacht habe, dass nicht jeder ein Einstein oder Michael Jordan sein kann, ist mir klar geworden, wie wichtig jeder einzelne von uns ist.
Es geht nicht darum, dass wir alle Genies werden und die Welt verändern. Das ist auch gar nicht möglich.
Wir brauchen ein Netzwerk. Jeder hat seinen Platz darin. Irgendjemand muss die Lebensmittel anbauen und die Sporthallen bauen.
Damit jemand sein ganzes Leben einer Sache widmen kann, brauchen wir sehr viel Unterstützung. Niemand steht allein. Wir sind aufeinander angewiesen. Jeder ist wichtig.
Es geht vielmehr darum, dass wir eine Welt schaffen in der wir alle unsere einzigartigen Stärken, Interessen und Fähigkeiten einsetzen können.
Aber nicht, indem wir die Kontrolle an uns reißen und alles durchplanen. Durch diesen Zwang verlieren wir die Verbindung und erzeugen einen Widerstand. Auf diese Weise stoßen wir das, was wir wollen, weiter von uns weg.
Eher als Gärtner, der die Bedingungen für das optimale Wachstum seiner Pflanzen schafft.
Dadurch schaffen wir dann eine Grundlage, in der sich immer mehr Genies entfalten können. Die beschleunigen unsere Entwicklung dann enorm.
Gleichzeitig haben wir alle das Gefühl etwas zum großen Ganzen beizutragen. Wir gehen in unserer Rolle auf, weil wir sie aus eigenem Antrieb einnehmen.
Es geht allen besser und gleichzeitig beschleunigen wir unsere Entwicklung. Das Leben von immer mehr Menschen und des ganzen Planten wird kontinuierlich verbessert.
Wir messen Erfolg nicht mehr an Geld, sondern in Zufriedenheit und Erfüllung.
Unser Wert wird nicht mehr durch unsere Produktivität bestimmt.
Ich setze immer mehr auf unsere Intuition und das wir wissen, was wir tun sollten. Das wir genau das Richtige tun, wenn wir nicht (nur) auf unseren Verstand, sondern auch auf unser Herz und unseren Bauch hören.
Das ist das Thema, auf das ich eigentlich hinauswollte.
Ich habe mich gefragt, woher dieses Wissen kommt.
Warum treffen wir manchmal genau zur richtigen Zeit die eine Person, die wir gerade brauchen?
Mir gefällt der Gedanke, dass wir irgendwie alle miteinander verbunden sind. Eine Art Internet aller Lebewesen. Diese Verbindung, das Universum oder das Leben, sorgt dafür, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
Dort erleben wir dann genau das, was wir gerade brauchen. Wir sehen etwas oder treffen jemanden. Wir führen ein Gespräch oder schnappen etwas auf.
Als wären wir in einem Computerspiel und die Quest führt uns von einem Ort zum nächsten und zeigt uns den Weg.
Es fällt mir sehr schwer meine Gedanken dazu in Worte zu fassen.
Wir senden auf irgendeine Weise eine Nachricht aus und jemand anderes empfängt sie.
Dafür müssen wir aber zur Ruhe kommen und eine Verbindung herstellen.
Das gelingt uns, wenn wir wieder natürlicher leben. Wenn wir mehr Zeit draußen verbringen, auf unseren Körper hören und uns nicht mit Informationen überladen.
Ich stelle es mir vor wie den Instinkt bei Tieren. Sie erfüllen von allein ihre Rolle. Sie denken nicht darüber nach. Wie können es nicht. Sie haben keine Wahl.
Obwohl die Natur wie eine genial konstruierte Maschine wirkt, hat sich alles selbst entwickelt. Ohne Plan, Ziel oder Richtung. Viele Experimente und kontinuierliche Evolution. Was funktioniert bleibt, alles andere stirbt.
Es wird nicht zentral gesteuert. Es ist die Verbindung von allen Beteiligten und die Auswirkungen der Handlungen, die dafür sorgen, dass es weitergeht.
Ursache und Wirkung.
Warum fällt es Hunden so schwer einen Ort zu finden, wo sie ihr Geschäft machen können?
Es geht nicht nur darum sich zu erleichtern, sondern um Kommunikation. Es sendet Signale aus. Darauf können dann andere Lebewesen reagieren. Jede Handlung zählt.
Es gibt unendliche viele "Werkzeuge", die sich ständig verändern und auf äußere Einflüsse reagieren. Sie passen daraufhin ihr Verhalten an und ändern dadurch alles andere.
Auf diese Weise steuert sich das System selbst.
Es führt zu immer komplexeren und höheren Lebensformen.
Wir können es beschleunigen und verbessern. Wir können es auf ein völlig neues Level bringen.
Wir können der Evolution eine Richtung und ein Ziel geben. Wir können die nötige Anzahl an Experimenten deutlich reduzieren und sie dadurch viel effizienter gestalten.
Wir können alles nutzen, was es schon gibt, Neues erfinden und Systeme schaffen, die das Leben weiter verbessern.
Das gelingt uns aber nur, wenn wir wirklich ein Teil dieses Systems sind.
Sobald wir aber die Kontrolle übernehmen, werden die Dinge schwerer. Es fühlt sich an, als würde wir durch Wasser laufen. Der Widerstand wird größer.
Wir stoßen auf immer mehr Hindernisse und Blockaden. Als wollte uns das Leben zeigen, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind und umkehren sollten.
Im Alltag ist es sehr schwer das wahrzunehmen. Wenn wir aber zur Ruhe kommen und die Situation objektiv(er) und mit Abstand betrachten, sind die Zeichen recht deutlich.
Im Nachhinein fragen wir uns oft, wieso wir es nicht früher erkannt haben.
Ich glaube, dass unsere Intuition eine weiterentwickelte Form von Instinkten ist. Sie führt uns, ist aber auf einer anderen Ebene. Wir können Entscheidungen treffen und sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Wir können innehalten und uns für eine Reaktion entscheiden.
Zwischen Reiz und Reaktion liegt unsere Freiheit.
Wenn wir uns davon leiten lassen, erfüllen wir unsere Aufgabe und fühlen uns dadurch zufrieden und eben erfüllt.
Wir sind alle einzigartige Puzzleteile. Wir haben eine einzigartige Aufgabe.
Wahrscheinlich gibt es auch hier Spielraum und nichts hängt nur von einer Person oder Situation ab. Aber es läuft vielleicht am besten, wenn wir alle dieser inneren Stimme folgen.
Wir sind dann Teil der Harmonie. Unsere Handlung die nächste Note in der Symphonie.
Wir geraten immer wieder in dieselbe Situation, bis wir unsere Lektion lernen. Bis wir auf unsere innere Stimme hören. Es sind Zeichen, dass wir die Verbindung verlieren und eine Gelegenheit unsere Antennen neu auszurichten.
Wir lassen uns dann wieder vom Fluss des Lebens treiben.
Das Universum bringt dann genau die richtigen Menschen zusammen, um das Leben für alle zu verbessern.
Das klingt für mich alles noch ziemlich merkwürdig und ich kann es mir nicht erklären. Trotzdem spüre ich eine Anziehungskraft zu diesen Ideen.
Ich merke selbst immer deutlicher, dass ich mich besser fühle, wenn ich mich auf meine Intuition verlasse. Wenn ich sie wahrnehme und dann auch danach handle.
Es passieren dann sehr merkwürdige Dinge. Ich habe mehr "Glück". Ich kann es mir nicht erklären.
Alles wirkt leichter und ich kämpfe nicht mehr mit mir selbst. Ich lebe. Ich kann loslassen und muss nicht alles kontrollieren. Es fühlt sich natürlich an. Als würde ich getragen werden.
Ich mache mir weniger Sorgen und höre auf alles zu hinterfragen, stattdessen handle ich einfach. Dadurch ergeben sich dann immer neue Gelegenheiten. Es geht voran.
Ich schleppe weniger Ballast mit mir herum und habe das Gefühl ihn nach und nach abzulegen.
Ich trete authentisch auf. Ich lebe ein Leben, wie ich es mir vorstelle. Es fühlt sich rund an.
Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine Herausforderungen oder Rückschläge mehr gibt. Ich fühle mich aber insgesamt zufriedener.
Indem ich meinen Part spiele, helfe ich auch anderen dabei ihr bestes Leben zu führen.
Ich bin Teil des Systems und vielleicht genau die Person, die jemand anderes gerade braucht.
Manchmal kann eine Begegnung oder sogar nur ein Nebensatz unser ganzes Leben verändern. Sie kommen aber nur zu Stande, wenn wir am Leben teilnehmen und unsere Rolle erfüllen.