Vertrauen
Ich fühle mich sehr berührt, wenn andere mir etwas anvertrauen. Wenn wir offen über das reden, was sie gerade beschäftigt.
Es holt mich völlig in den Moment. Es fühlt sich unglaublich erfüllend an.
Mir wurde schon öfter gesagt, dass ich vertrauenserweckend wirke und es vielen leicht fällt bei mir sie selbst zu sein.
Scheinbar schaffe ich einen sicheren Raum, in dem sich andere wohlfühlen.
Bei einer Kennenlern-Fahrt in der Schule wurde mir das Kompliment gemacht, dass ich vertrauenerweckend bin. Das ist immer noch eins der bedeutendsten Komplimente, die ich bekommen habe.
Diese Gespräche sind auch Momente, in denen ich ich selbst sein kann. Ich öffne mich und fühle mich gesehen und anerkannt.
Ich muss dann nichts leisten. Ich bin genug. Es fühlt sich sinnvoll an.
Ich vergesse die Zeit und alles um uns herum. Ich bin völlig auf die Interaktion konzentriert.
Ich merke aber auch, dass nach ein bis zwei Stunden die Luft raus ist. Es ist sehr anstrengend, aber in einem guten Sinne.
Mir geht danach oft der Gedanke durch den Kopf, wie viel Freude es mir macht. Wobei das nicht das richtige Wort ist.
Erfüllt kommt dem wohl näher. Es fühlt sich natürlich an. Richtig.
Ich habe nicht das Gefühl, etwas machen zu müssen. Es reicht einfach da zu sein.
Es fühlt sich sehr angenehm an.
Ich fühle mich lebendig und gesehen.
Nicht nur als Maschine, die Aufgaben erledigt. Als Rädchen im Getriebe.
Ich merke aber auch, dass ich teilweise versuche, diese Gespräche zu erzwingen. Es fühlt sich gut an, also möchte ich mehr. Ich möchte sofort wieder einen Plan erstellen.
Das klappt überhaupt nicht.
Der Druck macht die Offenheit, die für diese Gespräche so wichtig, ist unmöglich.
Es geht dann nicht mehr so sehr um die andere Person, sondern um mich. Das was ich davon habe. Ich gehe mit einer Erwartung in das Gespräch und versuche es zu lenken.
Ich benutze die andere Person dann für meine Ziele und dadurch ergibt sich die Situation erst gar nicht. Die Verbindung entsteht nicht.
Wir können ein Vertrauensverhältnis nicht erzwingen. Es entwickelt sich.
Scheinbar habe ich eine anziehende Wirkung auf Menschen, die etwas belastet und dies loswerden wollen.
Es ist mir besonders im Fitnessstudio aufgefallen. Ich wurde oft angesprochen und die Menschen haben sehr schnell, recht persönliche Dinge mit mir geteilt.
Ich habe oft den Witz gemacht, dass es mich nicht überraschen würde, wenn Sie mir Ihre Passwörter verraten würden.
Ich habe es damit gerechtfertigt, dass ich derjenige war, der immer da war. Das dadurch eine gewisse Vertrautheit entstanden ist.
Vielleicht steckt aber mehr dahinter. Vielleicht habe ich etwas ausgestrahlt. Etwas, was die Menschen zu mir gezogen hat.
Ich hatte mittlerweile auch ein paar Mal das Gefühl, mich bei jemandem melden zu müssen, weil die Person etwas belastet.
Ich habe mich jedes Mal bescheuert gefühlt und mich gefragt, ob es angebracht ist. Ich wollte es mir ausreden und habe es abgetan.
Mein Herz hat gesagt, ich sollte es tun. Mein Verstand hat Ausreden gefunden es nicht zu machen. Es wäre gruselig. Dass ich die Person gar nicht so gut kenne. Dass das alles völlig verrückt ist.
Ich oder meine Intuition hat aber jedes Mal richtig gelegen.
Es kommt aus dem Nichts. Als würde mich die Person telepathisch anrufen und um Hilfe bitten.
Ich weiß nicht, woher das kommt und was es bedeutet. Es macht mir ein bisschen Angst und ich frage mich, ob ich verrückt werde.
Ich glaube, dass wir alle eine Möglichkeit brauchen das rauszulassen, was uns beschäftigt.
Am besten geht es, wenn ich es ausspreche und es sich jemand anderes anhört.
Schreiben funktioniert auch, diktieren ist aber besser.
Ich spüre, wie sich ein Druck in mir aufbaut. Etwas möchte raus. Je länger ich es aufschiebe, umso größer wird der Druck.
So wie bei einem Staudamm.
Wenn ich die richtigen Bedingungen schaffe und mich den Gedanken oder Gefühlen widme, anstatt sie zu unterdrücken, sprudeln sie aus mir heraus.
Am Anfang alles auf einmal und viel zu schnell. Es wird dann mit der Zeit aber angenehmer.
Danach fühle ich mich erleichtert und lockerer. Ich habe wieder neue Ideen. Als hätten die Gefühle und Gedanken vorher alles andere blockiert.
Noch fällt es mir aber recht schwer das direkt zu merken. Ich brauche ein paar Tage, ich werde aber besser.
Interessanterweise drücke ich mich davor mit dem Schreiben anzufangen oder darüber zu reden, obwohl ich weiß, dass es genau das richtige in dem Moment ist.
Wenn ich dann aber anfange, möchte ich nicht mehr aufhören.
Je größer die Belastung umso kürzer sind meine Tagebucheinträge. Obwohl es genau andersherum sein sollte.
Es macht aber Sinn, weil ich nichts unterdrücke, wenn ich mich ruhiger fühle und dadurch mehr Scheiben kann.
Ich versuche die Gefühle und Gedanken noch vor mir selbst zu verstecken. Das würde nicht mehr gehen, wenn ich darüber schreibe.
Ziel ist aber alles zu spüren und zu verarbeiten. Besonders das, was ich unterdrücke.
Ich löse alle Blockaden auf und dadurch gelingt es mir immer öfter mit mir selbst im Reinen zu sein und zur Ruhe zu finden.
Ich müsste einfach nur anfangen auch wenn ich noch nicht wirklich weiß worum es geht.
Es herausfließen lassen. Dadurch ergibt sich mit der Zeit ein Bild.
Das würde das hin und her reduzieren.
Ich wäre dann nicht so angespannt, sondern generell lockerer. Ich komme zur Ruhe und bin mit mir im Reinen.
Ich lerne mich immer besser kennen.
Ich glaube das wir alle viel zu viele dieser Blockaden in uns tragen und dass es uns allen gut tun würde, mehr darüber zu sprechen.
Das rauszulassen, was uns beschäftigt und darüber zu reden.
Uns zu öffnen und verletzlich zu machen. Echte Verbindung einzugehen, anstatt alles nur oberflächlich zu belassen.