Weltverbessern

27.04.2025 - 14 min

Ich sehe unendlich viele Probleme in der Welt. Es gibt aber auch noch mehr Ideen diese zu lösen.

Ich spüre den Drang einen positiven Einfluss hinterlassen zu wollen. Ich möchte mit meinem Leben die Welt zumindest ein kleines bisschen besser gemacht haben.

Wir könnten so viel tun. Egal wo wir hinschauen, überall finden wir Probleme. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Ich frage mich, wo ich anfangen soll. Es wirkt überwältigend.

An den meisten Dingen können wir aber nichts ändern. Auch wenn die Lösung aus unserer Sicht klar und einfach umzusetzen ist, ist es in der Regel nicht der Fall. Wir sehen nur einen kleinen Teil des Problems und identifizieren die Ursache wahrscheinlich nicht richtig.

Es fällt uns auch schwer die Perspektiven aller Betroffenen einzubeziehen.

Ich glaube mittlerweile, dass der beste Weg ist vor der eigenen Haustür zu kehren.

Es ist so leicht zu erkennen, was alle anderen besser machen können. Wir können sie aber nicht ändern.

Die Kunst des Lebens besteht darin den Balken vor unseren eigenen Augen zu erkennen und ihn nach und nach abzutragen.

Das ist schwierig und unangenehm. Ehrlich in den Spiegel zu schauen, zu akzeptieren wer wir sind und dann etwas daran zu ändern.

Es zeugt aber auch von wahrer Stärke und Mut.

Der wahre Kampf findet nicht im Äußeren sondern in uns selbst statt. Engelchen und Teufelchen.

Wir müssen diese Entscheidung immer wieder treffen. In jedem Moment. Wir sind niemals davon befreit.

Das Ziel könnte sein immer mehr Momente zu sammeln, in denen wir auf unser bestes Selbst hören und es dann auch umzusetzen.

Den guten Wolf zu füttern und aufzubauen.

Das ist sehr schwierig, weil uns der innere Schweinehund immer wieder in Versuchung verführt. Es wirkt so verlockend ihm einfach zu folgen. Es wirkt so einfach und leicht.

Das ist aber nur auf den ersten Blick so. Ein einfaches Leben ist leer und nicht befriedigend.

Ich denke dabei immer an die Welt von Wall-E. In der die Menschheit sich nur noch dem Vergnügen widmet. Ich habe immer das Bild im Kopf, auf dem die übergewichtigen Menschen auf Stühlen befördert werden, während sie Softdrinks trinken und unterhalten werden.

So ähnlich wie wir es heute mit dem Handy machen. Sobald uns langweilig wird, greifen wir in die Hosentasche und lenken uns ab.

Wir wählen immer öfter den einfachen Weg.

Dadurch fällt es uns immer schwerer uns für die wahren Herausforderungen zu motivieren und schränken uns selbst immer weiter ein. Wir vermeiden immer mehr und ziehen uns immer weiter zurück.

Der griechische Held Herakles hatte die Wahl zwischen einem mühelosen, aber kurzfristigen und moralisch verwerflichen und einem beschwerlichen, aber tugendhaften und langfristig beglückenden Lebensweg.

Herakles ist unschlüssig welchen Weg er gehen möchte. Er zieht sich also zum Nachdenken zurück. Dort treffen ihn zwei Frauen. Die eine ist aufwendig herausgeputzt und trägt teure Kleidung. Sie stellt sich als Glückseligkeit (Eudaimonia) vor, wird aber von ihren Feinden Lasterhaftigkeit genannt. Sie verspricht ihm Freude ohne Schmerz, wenn er ihr folgt.

Die zweite Frau ist die Verkörperung der Tugendhaftigkeit (Arete). Sie erklärt ihm, dass die Götter den Menschen nichts ohne Fleiß und Mühe zukommen lassen. Der Lohn für ein tugendhaftes Leben ist Ehre und Bewunderung.

Herakles entscheidet sich schließlich für ihren Weg.

Es zeigt, wie alt und menschlich diese Herausforderung ist.

Ein Ausweg könnte sein unsere eigenen Probleme zu lösen und dann unsere Lösung zu teilen.

Wir helfen damit zuerst uns selbst und unserem früheren Ich. Wir haben selbst ein Interesse daran und helfen ggf. anderen dabei dieselben Schwierigkeiten zu überwinden. Wir tragen so zur Entwicklung der Menschheit bei.

Was auf den ersten Blick sehr egoistisch wirkt, hilft also auch anderen.

Es ist intrinsisch motiviert. Wir haben einen guten Grund es zu tun. Das macht es nachhaltiger.

Es betrifft uns selbst, daher gehen wir anders an die Sache heran.

Wir fühlen uns zufriedener und machen immer weniger Dinge, die nicht unbedingt einen positiven Einfluss auf uns und die Welt haben.

Uns für etwas einzusetzen, dass größer ist als wir selbst, führt zu einem erfüllten Leben.

Es scheint aber, als müssten wir die Lektion alle selbst lernen. Wir glauben den anderen nicht. Es ist einfach zu behaupten, dass Geld, Ruhm oder Macht nicht die Lösung ist, wenn wir es bereits haben.

In dem Buch "The Second Mountain" geht es genau darum.

Wir erklimmen unseren ersten Gipfel. Wir suchen vor allem materiellen Erfolg und Status. Es geht nur um uns selbst. Wir wollen Freiheit und Unabhängigkeit.

Wenn wir aber dort angekommen sind, stellen wir fest, dass es nicht die Lösung ist.

Wir stehen dann vor der Wahl noch einen draufzulegen und die Latte immer höher zu legen oder einen anderen Weg einzuschlagen.

Mit etwas Glück entdecken wir dann unseren zweiten Gipfel. Die Hingabe zu einer Familie, einem Glauben, einer Gemeinschaft oder einer Philosophie. Wir tun die Dinge dann nicht mehr nur für uns. Von außen sieht es vielleicht nicht sehr anziehend aus, es ist für uns aber zutiefst befriedigend.

Mir fällt dazu immer das Aufziehen von Kindern ein. Die meisten sagen, dass es das Beste ist, was in ihrem Leben passiert ist. Es fällt mir aber schwer ihnen das zu glauben. Es sieht für mich nicht danach aus. Es muss aber etwas dran sein.

Wir müssen es aber erst erleben, bevor wir es wissen. Es ist nichts, was uns jemand sagen kann.

Es ist aber wie immer eine Balance. Wir müssen nicht leben wie ein Mönch, um glücklich zu sein und reiche Menschen sind nicht immer unzufrieden.

Es ist eine Reise, auf der wir uns immer besser kennenlernen und immer wieder aufs Neue entscheiden, wer wir sein wollen.

Unsere Prioritäten verschieben sich.

Wir können viel aus dem ersten Teil unseres Lebens lernen.

Selbst im Buddhismus wird empfohlen uns zuerst um unsere materiellen Bedürfnisse zu kümmern. Der Buddha selbst war ein Prinz, der dem Reichtum und der Macht entsagt hat.

Die Bedürfnispyramide deutet auf das Gleiche hin.

Wir müssen zuerst unser eigenes Leben in die Reihe bekommen, bevor wir uns Gedanken um das große Ganze machen können.

Wenn wir nicht wissen, wo wir die nächste Mahlzeit herbekommen sollen, haben wir keine Kapazitäten uns mit philosophischen Themen zu beschäftigen.

Mit jeder Erfahrung und jedem Abenteuer lernen wir etwas dazu.

Im ersten Teil unseres Lebens wollen und können wir uns selbst etwas aufbauen. Wir müssen uns zuerst selbst erschaffen, damit wir dann im zweiten Teil unseres Lebens für andere da sein können.

Das Wort Held hat seinen Ursprung in (Ver-)Sorgender. Er handelt mutig und beschützt andere. Er hat Kraft für zwei.

Nicht ohne Grund wird uns im Flugzeug immer wieder gesagt, dass wir uns zuerst um uns selbst kümmern sollen, bevor wir anderen helfen. Wenn wir das nicht tun, werden wir zur Belastung für andere.

Geld löst unsere Geldprobleme und macht uns das Leben leichter. Wir haben so mehr Ressourcen, um anderen zu helfen. Im besten Fall verdienen wir unser Geld, indem wir echte Werte schaffen.

Was wäre aber, wenn wir einen Weg finden das zu kombinieren. Wenn es uns gelingt eine Welt zu schaffen in der wir uns keine Sorgen um unser Überleben machen müssen, weil wir alle genug haben.

Wir könnten dann den ersten Teil überspringen und uns direkt mit den Dingen beschäftigen, die uns wirklich wichtig sind. Direkt zurückgeben und dabei helfen die Erde in ein Paradies zu verwandeln.

Vielleicht brauchen wir aber auch die Herausforderung. Vielleicht müssen wir alle diese Phase durchmachen, um zu der Person zu werden, die erkennt, dass uns ein einfaches Leben nicht langfristig glücklich macht.

Oft sind es die größten Herausforderungen, die zu einem Wendepunkt in unserem Leben führen und zu unserer Stärke werden.

Ohne harte Arbeit wissen wir vieles nicht zu schätzen.

Viele meiner Kommilitonen haben sich im Studium, besonders in der Klausurphase sehr gestresst gefühlt. Es war das Schwerste, was sie bis dahin in ihrem Leben gemacht haben.

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe vor dem Studium eine Ausbildung gemacht.

Für mich war das Studium das Entspannteste, was ich in meinem Leben getan habe. Sicherlich waren die Klausuren nicht einfach, aber den Rest des Jahres konnten wir tun, was wir wollen. Es war wie Schule, nur ohne Anwesenheitspflicht.

Wir wachsen an unseren Aufgaben. Vielleicht ist das Spiel des Lebens mit Absicht genauso aufgebaut.

Wenn wir aus der Geschichte lernen könnten, würde sie sich nicht immer wiederholen.

Wir müssten nicht alle immer wieder die gleichen Fehler machen und hätten sehr wahrscheinlich einen optimalen Weg gefunden, dem wir alle folgen.

Wir nehmen aber die Ratschläge von Älteren nicht an. Wir glauben ihnen nicht, bis wir selbst die Erfahrungen gemacht haben. Dann sind wir aber selbst alt und frustriert, dass die jüngeren nicht auf uns hören wollen.

Es gibt ein Buch, in dem es um die fünf Dinge gibt, die Sterbende am meisten bereuen. Trotzdem machen die meisten von uns genau diese Fehler.

Es geht immer, um die Beziehungen zu anderen Menschen und unsere Träume zu verwirklichen. Die Dinge zu tun, die uns wirklich wichtig sind.

Wir schieben diese offensichtlich sehr wichtigen Dinge aber auf. Wir sehen nur unseren ersten Gipfel. Wir sind überzeugt, dass dort die wahre Erfüllung auf uns wartet.

Obwohl ich das schreibe, merke ich, dass es bei mir auch so ist. Ich glaube mir selbst nicht. Ich habe das alles gelesen und weiß es auch auf eine Art, ich traue dem Braten aber nicht.

Ich höre immer wieder meine innere Stimme sagen "Lass einfach los". Ich verstehe es aber nicht. Ich weiß nicht, wie ich es mache und was ich loslassen soll.

Ich bin noch davon überzeugt immer mehr zu brauchen. Was sich wahrscheinlich als falsch herausstellen wird.

Auf der anderen Seite möchte ich auch nicht als hungernder Künstler leben.

Ich bin aber wieder im Schwarz/Weiß denken gefangen. Ich sehe nur das eine oder das andere. Es gibt aber einen Weg und vor allem eine Sichtweise beides zu kombinieren. Ich habe alles, was ich brauche, und bin in einer hervorragenden Ausgangsposition, um alles zu integrieren.

Ich glaube aber, dass ich einen Schubs brauche. Ich scheine nicht von allein darauf zu kommen. Ich traue mich nicht loszulassen.

Vielleicht brauchen wir die Phase der Rebellion, um genug Energie zu haben uns von unseren Eltern zu lösen. Wir wollen dann alles ganz anders machen. Merken aber irgendwann, dass das auch nicht die Lösung ist.

Wir stehen vor den gleichen Problemen, wie sie, nur auf der anderen Seite.

Der Junge, der aus einem armen Elternhaus kommt und so reich wie möglich werden möchte oder das Mädchen aus reichem Haus, dass die Umwelt retten und das Leben im Protz verteufelt.

Wir sind noch nicht weise genug, um eine objektivere Perspektive einzunehmen. Abstand von Ideologien zu gewinnen, um möglichst viel von der Wahrheit zu erkennen.

Am Ende integrieren wir alles, was wir gelernt haben, auch das von unseren Eltern, zu unserer wahren Identität. Wir sind dann im Reinen mit uns selbst.

Wir entfernen uns von unserer Kinderstube, um etwas anderes zu finden und kehren dann verwandelt wieder an den Anfang zurück und vereinen alle unsere Erfahrungen.

Wir erkennen, dass es nicht die eine Lösung für alles gibt, sondern, dass wir alles als Werkzeug in der richtigen Situation anwenden können. Wir müssen und nicht auf eine Sache festlegen.

Jede Fähigkeit und jede Erfahrung kann uns weiterhelfen.

Ist es das, was Carl Jung unseren Schatten genannt hat? Die Dinge in uns zu akzeptieren vor denen wir weglaufen? Alles an uns zu akzeptieren und es für uns, anstatt gegen uns einzusetzen?

Wir alle wollen unsere Karten so gut wie möglich spielen. Wir sind aber oft in unserer Blase gefangen und können keine andere Lösung sehen.

Es reicht nicht von einer Idee gehört zu haben. Wir müssen sie wirklich begreifen und erlebt haben, um damit etwas anzufangen.

Wenn erfolgreiche Menschen die Gründe für ihren Erfolg teilen, ist das immer sehr subjektiv und meistens nicht der wahre Grund, warum sie erfolgreich geworden sind.

Sie erzählen, dass sie ihre Ziele erreicht haben, weil sie um 5 Uhr aufgestanden sind oder etwas auf eine bestimmte Art gemacht haben.

Das bedeutet aber nicht, dass wir nur um 5 Uhr aufstehen müssen und automatisch erfolgreich werden.

Es ist eine kleine Sache, die dazu beigetragen hat und in das Leben der Person gepasst hat.

Jede dieser Kleinigkeiten ist etwas, das wir ausprobieren können, um unseren eigenen Weg zu finden.

Wir gestalten so unseren individuellen Tag als Meisterwerk. Wir nutzen die Erfahrungen von anderen, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir es für uns selbst ausprobieren müssen. Das meiste wird für uns nicht funktionieren. Um das herauszufinden, müssen wir es aber erleben.

Oft erklären wir, dass es keinem Lehrer gelungen ist uns ein bestimmtes Thema beizubringen, außer dem Letzten. Bei ihm haben wir es endlich verstanden. Das bedeutet aber nicht, dass die Lehrer davor alles falsch gemacht haben. Sie haben die Vorarbeit geleistet, damit wir es beim Letzten dann verstehen konnten. Ohne die anderen hätten wir es wahrscheinlich nicht gelernt.

Jeder Lehrer hat ein paar Lücken gefüllt. Am Ende hat es dann "Klick" gemacht.

Extreme und starre Ideologien führen nicht zu den Lösungen, die wir uns erhoffen. Es geht darum die Prinzipien dahinter zu lernen. Wirklich zu verstehen, wie etwas funktioniert.

Alle Diäten funktionieren nach demselben Prinzip. Es geht darum in einem Kaloriendefizit zu sein. Es gibt aber unendlich viele Möglichkeiten das zu erreichen. Es ist dabei aber egal, ob wir uns vegetarisch oder nur von Fleisch ernähren.

Für jede Ernährungsform gibt es viele bei denen es funktioniert aber auch viele bei denen es nicht so ist. Wir müssen selbst herausfinden, was am besten zu uns passt.

Das geht nur in dem wir es ausprobieren.

Wenn wir jeden Tag das gleiche machen, lernen wir nichts dazu. Wir bleiben stecken. Wir brauchen Abwechslung und Experimente. Wir müssen mal rauskommen. Etwas anderes sehen und erleben. Nur so entwickeln wir uns weiter.

Das ist aber angsteinflößend und es ist wirklich bequem in unserer Komfortzone. Wir bewegen uns also in der Regel nur aus ihr heraus, wenn der Druck groß genug ist.

Erst wenn wir es nicht mehr aushalten handeln wir.

Wir rauben uns so aber selbst der Gelegenheit unser Potenzial zu erreichen und ein erfülltes Leben zu führen.

Kleine Änderungen können langfristig einen riesigen Unterschied machen.

Wenn wir anfangen, machen wir in der Regel weiter. Wir fühlen uns immer besser und haben mehr Energie. Dadurch können und wollen wir mehr und weitermachen. Wir setzen eine Aufwärtsspirale in Gang.

Wir tauschen negative Gewohnheiten durch positive aus. Unser Verlangen nach Vergnügungen wird geringer und wir empfinden mehr Freude daran etwas zu erschaffen.

Wir können andere Menschen nicht ändern, haben aber Kontrolle über unsere eigenen Handlungen.

Wir können andere dadurch inspirieren.

"Be the change you want to see in the world."

Das Ideal könnte also sein als leuchtendes Beispiel voranzugehen. Uns selbst auf ein Level zu bringen an dem uns andere fragen, was wir machen und dann bereit sein ihnen zu helfen.

Wir müssen nicht die Welt retten. Wir haben mit uns selbst genug zu tun.

Indem wir an uns selbst arbeiten, machen wir die Welt besser und vielleicht stoßen wir damit eine Kettenreaktion an.

Was ist dein Traum? Wie kann ich helfen?