Erfolg

17.06.2022

Ich habe besonders bei Youtubern ein wiederkehrendes Muster erkannt.

Am Anfang machen sie Videos zu Themen, die sie wirklich interessieren. Sie sind authentisch und präsentieren sich so wie sie sind.

Wenn sie lange genug dabei bleiben, werden ihre Videos besser und sie ziehen mehr Abonnenten an.

Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem der Erfolg wichtiger wird, als die Videos. Sie machen Videos für den Algorithmus, nicht mehr für Menschen. Sie achten genau darauf, was gerade angesagt ist und optimieren Titel und Thumbnail, damit möglichst viele Menschen die Videos sehen.

Die Links werden überall verteilt, egal ob es die Zielgruppe ist oder nicht. Es geht nur noch um den Viewcount.

Viel wichtiger wäre aber eine wirklich Gemeinschaft aufzubauen. Abonnenten, die wirklich an den Themen interessiert sind und interagieren. Die Zuschauerzahl sollte sich organisch aufbauen.

Es werden alle Sponsorenangebote angenommen und viel Werbung geschaltet, um möglichst schnell viel Geld zu verdienen.

Anstatt an die Zukunft zu denken, werden alle Optionen direkt genutzt.

Sie werden dann als "Sell-Out" gesehen.

Das ist der Punkt an dem viele scheitern.

Ein ähnliches Phänomen tritt bei Musikern oder Profisportlern auf. Zuerst widmen sie ihr ganzes Leben ihrer Leidenschaft. Dadurch werden sie erfolgreich. Wenn sie dann aber auf einmal zu sehr viel Geld kommen, denken manche nicht mehr an ihren Beruf, sondern genießen lieber das Leben. Ihre Prioritäten ändern sich. Ruhm und Wohlstand werden ihnen wichtiger. Sie geben alles aus und denken nicht an Morgen.

Dadurch verlieren sie aber das, was ihnen zu dem Erfolg verholfen hat und enden schlechter als sie angefangen sind.

Das Problem ist der Erfolgsdruck. Wenn wir nicht genug haben versuchen wir alles, um ihn zu erreichen und denken nicht an die Folgen. Wir handeln und denken kurzfristig. Wir nehmen jede Gelegenheit war, die sich uns bietet, ohne an die Folgen zu denken.

Sie müssen genug Geld verdienen, um die Rechnungen zu bezahlen. Jedes Video zählt und jeder Fehler kann fatale Folgen haben. Das führt zu Stress und sie zensieren sich selbst. Sie versuchen eine perfekte Fassade aufzubauen.

Sie haben Angst Menschen nicht zu gefallen, schließlich zählt jeder Abonnent. Jeder verdiente Euro ist essenziell. Sie versuchen von allen gemocht zu werden, was dazu führt, dass sie niemand so richtig mag.

Wenn die YouTuber diese Phase aber überstehen und einen gewissen Grad von Erfolg erreicht haben, erkennen sie, dass es viel wichtiger ist Spaß an der Arbeit zu haben und die Videos zu produzieren, die sie drehen wollen.

Sie werden wieder authentischer und die Videos sind wieder für die Menschen. Sie kehren wieder zu ihren Wurzeln zurück.

Sie machen wieder die Videos, die zu ihrem Erfolg geführt haben, aber auf einem viel höheren Level. Sie haben viel gelernt und ihre Fähigkeiten verbessert.

Die Anzahl an Klicks ist auf einmal nicht mehr ganz so wichtig.

Interessanterweise ist das oft der Punkt an dem sie extrem erfolgreich werden.

Die Menschen können sich wieder mehr mit ihnen und den Videos identifizieren. Sie teilen (wieder) mehr von sich und wirken menschlicher. Sie lassen Fehler zu und zeigen, dass sie nicht perfekt sind.

Wenn sie (mehr als) genug haben, fällt der Druck weg und sie können wieder langfristige Entscheidungen treffen. Ihr Lebensstil ist nicht mehr unmittelbar in Gefahr, wenn mal ein Video nicht so erfolgreich ist.

Aber genau diese Lockerheit macht uns erfolgreich. Wir können ihn nicht erzwingen.

Die Arbeit lässt sich damit natürlich nicht vermeiden. Sie gehört immer dazu. Wir müssen etwas tun, um erfolgreich zu werden. Aber auch sie fällt uns leichter, wenn wir uns unsere Aufgaben selbst aussuchen.

Mich erinnert dieses Muster an die Memes mit der Normalverteilung. An beiden Enden der Verteilung machen die Menschen das Gleiche, allerdings auf verschieden Leveln. In der Mitte wird alles überanalysiert und erzwungen. Was dann genau zu dem Gegenteil führt.

In den meisten Bereichen ist Beständigkeit wichtiger als Perfektion. Je länger und öfter wir etwas machen, desto besser werden wir.

"Übung macht den Meister"

Erfolg hat auch mit Glück zu tun. Es kommt oft darauf an zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wir können unserem Glück aber auf die Sprünge helfen, indem wir sehr viel produzieren und dabei immer besser werden.

Wir müssen aber auch einen Weg finden uns den Druck zu nehmen unbedingt erfolgreich werden zu müssen. Wir müssen langfristiger denken und authentisch bleiben können.

Nur wenn wir genug Geduld haben, zahlt sich die Arbeit irgendwann aus. Die können wir nicht aufbringen, wenn wir keine Zeit haben.

Das spricht dafür nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern ein Sicherheitsnetz zu haben. Etwas, das in dieser Zeit unser Leben finanziert.

Wenn wir einen Beruf haben, können wir uns viel lockerer unseren Leidenschaften widmen und dann auch damit erfolgreich werden.

Wir müssen es aber nicht. Wir können es einfach tun, weil wir Spaß daran haben.

Das ist aber genau das, was auf andere Menschen anziehend wirkt.

Es hilft auch unsere Lebenskosten so gering wie möglich zu halten. Je weniger wir ausgeben, desto geringer ist der Druck mehr zu verdienen und wir können mehr Zeit unserer Leidenschaft widmen.

So können wir die Phase in der wir alles übertreiben vielleicht überspringen, bleiben authentisch und werden dadurch erfolgreich.

Wir haben weniger Stress und Druck. Alles ist einfacher, unkomplizierter und nicht so ernst.

Es gibt eine Parabel von einem Fischer und einen Geschäftsmann.

Ein Fischer lebt in einem kleinen Dorf auf einer schönen Insel und angelt nur genug Fische, um davon zu leben. Er verbringt viel Zeit mit seiner Familie und Freunden.

Der Geschäftsmann fragt ihn, warum er nicht mehr fischt. Er könnte ein großes Unternehmen gründen und würde reich werden. Nach etwas 15 - 20 Jahren wäre er dann sehr erfolgreich und hätte ausgesorgt.

Dann könnte er sich auf einer schönen Insel in einem kleinen Dorf zur Ruhe setzen, zum Spaß fischen und viel Zeit mit seiner Familie und Freunden verbringen.

Es kommt also wieder zu dem Punkt, an dem wir wissen müssen, was genug für uns bedeutet. Wie viel Aufwand wollen wir betreiben und mehr zu bekommen?

Wenn wir wissen, wann wir genug haben, brauchen wir uns nicht zu verausgaben und können mehr von den Dingen tun, die wir wirklich machen wollen.

Wir laufen keinen falschen Versprechungen hinterher und sind glücklicher.

Paradoxerweise scheint dieses Vorgehen auch zu größerem Erfolg zu führen.

Die Frage ist also, wie viel Aufwand ich betreiben möchte, um am Ende an der selben Stelle zu landen an der ich angefangen bin.

Ich bin natürlich durch meine Erfahrungen etwas klüger geworden. Es ist also Weisheit und meine Entwicklung, die den Unterschied macht.

Wir "bezahlen" also nicht für die Ergebnisse, sondern für die Erfahrungen und Fähigkeiten. Es geht um die Persönlichkeitsentwicklung. Der Weg ist wirklich das Ziel.

Wenn MrBeast seinen YouTube Kanal verlieren würde, könnte er schnell einen neuen aufbauen.

Wenn Elon Musk seine Unternehmen verlieren würde, könnte er schnell ein neues gründen.

Wenn ein Bodybuilder seine Muskelmasse verliert, weiß er wie er sie schnell wieder bekommen kann.

Wenn wir wissen, wie man Fett abbaut, weil wir es oft gemacht haben, haben wir keine Angst davor fett zu werden.

Sie müssen keine Angst haben etwas zu verlieren, weil sie einfach etwas Neues schaffen können. Sie sind nicht auf den Erfolg angewiesen.

Etwas, das für mich unmöglich scheint, ist für sie einfach.

Das Ergebnis ist nicht wichtig, weil sie wissen, wie sie es erreichen können. Sie können es jederzeit erreichen.

Wenn sie etwas brauchen können sie es produzieren. Sie haben genug, weil sie die Möglichkeit haben es jederzeit zu bekommen. Sie haben das Thema gemeistert und können sich auf ihre Fähigkeiten verlassen.

"Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben."

Wir müssen es aber vorher (mindestens) einmal, besser öfter, gemacht haben, um die Fähigkeiten, das Wissen und die Sicherheit zu erlangen.

Es muss „Klick“ gemacht haben.

Je öfter wir etwas tun, umso besser werden wir. Je öfter wir uns selbst beweisen, dass wir etwas können umso selbstbewusster und sicherer werden wir.

Das bedeutet, wenn ich die Fähigkeiten habe alle meine Bedürfnisse zu befriedigen, wenn ich es möchte, fühle ich mich sicher und habe immer Genug. Es entsteht ein Gefühl des Überflusses, weil ich weiß, wie ich es bekomme.

Ich habe das Gefühl, dass ich beim Training gerade so eine Entwicklung durchmache. Ich verändere meinen Trainingsplan, so dass ich mehr von den Dingen mache, die mir Spaß machen, auch wenn es nicht der optimale Plan ist. Ich verlasse mich darauf, dass ich weiß, was ich tue. Wenn es nicht funktioniert, kann ich immer wieder zurückgehen.

Anstatt immer nur mehr Gewichte bewegen zu wollen, achte ich jetzt mehr auf den Spaß und die Funktionalität der Übungen. Ich möchte trotzdem weiter Muskeln aufbauen, es aber auf eine andere Art probieren.

Ich möchte Sport machen, weil es mir Spaß macht. Deshalb habe ich damals auch mit dem Handballspielen angefangen.

Wie sinnvoll ist es deutlich mehr zu arbeiten, als ich zum Leben brauche, um möglichst schnell finanziell unabhängig zu werden und dann meine Arbeitszeit zu reduzieren?

Warum sollte ich nicht gleich ins Kloster gehen, ein einfaches Leben führen und den ganzen Tag meditieren?

Weil ich etwas tun möchte. Ich möchte mich verbessern und einen positiven Einfluss auf die Welt haben.

Ich möchte einen Spielraum haben etwas zu verändern. Ich möchte Optionen und Möglichkeiten haben. Ich möchte mehr machen können. Ich möchte einfache Probleme vermeiden.

Gestern beim Einkaufen hat sich eine Frau darüber aufgeregt, wie viel Geld sie für den Einkauf ausgegeben hat und wie wenig sie dafür bekommen hat. Sie hat offensichtlich nicht genug Geld.

Ich möchte nicht in so eine Situation geraten. Ich möchte bessere Probleme haben. Statt nicht zu wissen, wie ich die Miete bezahlen kann, möchte ich mir Gedanken machen müssen, wie ich mein Geld am besten investiere.

Das gilt für alle Bereiche meines Lebens. Ich möchte nicht nur gesund sein, sondern auch gesund bleiben und immer fitter werden.

Ich möchte nicht nur überleben, sondern aufblühen.

Die Frage ist, wie viel mir dieser Puffer wert ist. Wie viel möchte ich aufwenden, um mir Optionen offen zu halten?

Warum möchte ich du diese Möglichkeiten überhaupt?

Sind Menschen aus ärmeren Ländern deshalb zufriedener? Sie haben diese Möglichkeiten nicht und haben sich scheinbar damit abgefunden bzw. kennen es nicht anders. Sie akzeptieren ihr Leben, wie es ist und machen das Beste draus.

Befinde ich mich gerade in der Mitte der Normalverteilung und mache mir zu viele Gedanken, anstatt einfach das Leben zu genießen?

Auf der einen Seite erkenne ich immer wieder, das ist die einfachen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen.

Auf der anderen Seite kann ich mich nicht nur dem Vergnügen widmen. Es wird schnell langweilig und ich werde unzufrieden. Ich muss etwas tun und brauche den Fortschritt.

Ein Leben ohne Aufwand funktioniert also nicht. Der Trick ist wohl etwas zu finden für das es sich lohnt.

Das Streben nach meiner besten Version scheint eine sinnvolle Beschäftigung zu sein.

Ich komme vielleicht am Ende beim selben Punkt heraus, an dem ich angefangen bin, bin aber ein anderer Mensch.

Das bedeutet aber auch, dass ich im Prinzip alles richtig mache. Mit meiner Arbeit finanziere ich meine Leidenschaft, die Persönlichkeitsentwicklung, baue mir gleichzeitig mit dem Depot eine Möglichkeit auf mein Leben ohne einen Beruf zu finanzieren.

In meiner Freizeit beschäftige ich mich mit dem Streben nach meinem Ideal. Ich habe dadurch keinen Druck erfolgreich sein zu müssen und kann es mit einer gewissen Lockerheit angehen. Ich habe Zeit und kann mir genau überlegen, was ich machen möchte und vieles ausprobieren ohne Angst vor dem Scheitern haben zu müssen.

Ich baue mir zusätzlich, mit diesem Blog, meiner Wissenssammlung und den Open Source Projekten, etwas Eigenes auf, das ich als Startpunkt für meine weiteren Ideen nutzen kann. Wovon dann wiederum meine Persönlichkeitsentwicklung, aber auch mein Beruf profitiert.

Ich habe mir dadurch unbewusst das Schwungrad aufgebaut, das ich immer haben wollte.

Je mehr Erfahrung ich mache, desto mehr lerne ich. Dadurch verbessere ich alle Bereiche meines Lebens und komme meinem Ideal immer näher.

Je besser es in meinen Lebensbereichen läuft, desto zufriedener bin ich. Ich habe mehr Energie und Ressourcen um weitere Ideen umzusetzen. Durch diese baue ich mir weitere Optionen auf und mache neue Erfahrungen. Dadurch wird das Rad immer weiter beschleunigt.

Am Ende gehe ich dann ins Kloster, führe ein einfaches Leben und meditiere den ganzen Tag.

Vielleicht ist es dieser Lernprozess, der das Leben ausmacht. Manche Dinge kann man nicht aus Büchern lernen, sondern man muss sie selbst erlebt haben.

Viele reiche Menschen sagen, dass es schön ist Geld zu haben, es aber nicht die Lösung ist, das Gleiche gilt für Ruhm, Macht und alle anderen Dinge.

Trotzdem streben wir danach. Es reicht offensichtlich nicht es zu hören. Wir müssen es selbst erlebt haben. Wir werden reich oder sterben beim Versuch und merken es dann selbst.

Diese Menschen haben es aber auch alle erreicht. Es ist dann ein leichtes zu sagen, dass es sich nicht gelohnt hat.

Die Aufgabe ist also diese Erkenntnisse zu erlangen, ohne all die Schwierigkeiten auf uns zu nehmen. Wir müssen den Punkt für den Absprung finden, damit wir nicht zu tief in das Labyrinth laufen und nicht mehr herausfinden.

In der FI/RE-Community spricht man von dem "One more year syndrome". Die Personen reden sich jedes Jahr wieder ein in einem Jahr in Rente zu gehen, obwohl sie schon genug Geld angespart haben. Sie arbeiten dann teilweise doch bis zur Rente in einem Job, den sie nicht mögen, ohne jemals ihre Möglichkeiten genutzt zu haben.

Am Ende erkennen wir, dass die Religionen, spirituellen Führer und Gurus alle richtig lagen und das Ziel ist, den Moment zu genießen.

Das Hier und Jetzt ist das Einzige, was wir wirklich haben.

Wir sollten die Reise genießen.